Historisches
Eine Fanfare für Vergangenes
Lebensweise, Sitten und Gebräuche sowie die Einbettung der Menschen in
herrschaftliche oder gesellschaftspolitische Verhältnisse und ihr Verständnis des Denkbaren und Machbaren
sind untrennbar mit dem verbunden, was die Geschichte zu einer allgegenwärtigen und grenzenlosen Möglichkeit
macht, einen aufrichtigen Geist in seiner empfundenen Daseinsform zu bereichern oder progressiv infrage zu
stellen und sich dennoch als Angehöriger eines regionalen zu identifizieren.
Unser Thüringer Wald ist reich und bunt an prosaischen Mythen, Sagen und historischen Ereignissen, die mehr
oder weniger ihren erzählerischen Ursprung im beschwerlichen Alltag seiner Bewohner haben. Durch die
jahrhundertelange despotische Unterdrückung und Ausbeutung der Bevölkerung des Thüringer Waldes, durch Adel
und Klerus, war das Leben und Wirken, das Hoffen und Bangen der Waldgemeinden von allerlei Entbehrungen und
Beschwerlichkeiten, von Kummer und Sorge um den ohnehin kargen Lebensunterhalt der Familie geprägt. Die
Folgen
waren unter anderem mangelnde Bildung, ständiger Kampf ums Überleben, kulturelle Isolation, weltliche
Vergessenheit und soziale Isolation. Ein schweres Los und eine fast unmenschliche Bürde, die sie mit vielen
abgelegenen oder schwer zugänglichen Siedlungen und Regionen in Deutschland teilten und an der alle davon
Betroffenen oft ihr Leben lang schwer zu tragen hatten.
Umso mehr, sind geschichtliche Ereignisse, sind Mythen und Legenden gleichfalls unwiderrufliche Attribute
und Repräsentanten einstigen Zeitgeschehens. Sie umschließen das Zurückliegende wie das zeitgenössisch
Regionale. Je nach Anlass und Intention, kann man mit ihnen und durch sie, auf das zurückgreifen, was
gewollter Erkenntnis nach erfüllender Handreichung verlangt. Nicht zuletzt sind sie als historische
Lehrstücke und jedes für sich, als ein um Vertrauen ringender Appell mit Ewigkeitscharakter zu verstehen.
Sie verkörpern unseren unleugbaren weil legitimen Anspruch auf Zugehörigkeit und Abstammung durch kulturelle
und geografische Ursächlichkeit.
Geschichte ist vorbehaltlos, kann tief empfunden werden und ist eine allumfassende Konstruktion ohne
Hinterhalt. Sie ist in ihrer segmentierten Zusammensetzung und Abfolge keine Anomalie oder ein Widerspruch,
den es im Nachhinein zu korrigieren, umzudeuten oder zu vertuschen gilt, auch wenn dies durch ideologisch
subventionierte Anstrengungen immer wieder versucht wird und wurde. Wenn sie wirklich mit offenem Herzen
gewollt und angestrebt wird, ermöglicht sie einen leidenschaftlichen Diskurs und Transfer, zwischen
Vergangenem, dem fortwährend Gegenwärtigen und dem sukzessiv Zukünftigen. Die Grundvoraussetzung dafür aber
liegt jedoch in ihr selbst, im Kern ihres Wesens. Dort bietet sie ihre tugendhafte Kraft an, nämlich mit
sich selbst im Reinen zu sein, fernab von Geheimniskrämerei, dogmatischen Kategorisierungen und
fatalistischer Bestechlichkeit, als dann auch unterstützend und beistehend in dem Wunsch Heimat zu
empfinden, zu ehren, zu respektieren und verantwortungsvoll für sie einzustehen, um dann mit ihr zu leben.
Das Bewusstsein, sich für Heimat, Geschichte und Tradition zu interessieren, sich von ihnen an die
schwielige Hand nehmen zu lassen, sie also zu erfahren und letztlich zu bewahren, ist vor diesem Hintergrund
nicht gleichbedeutend mit der Unterstellung, sich der Moderne oder gar dem Fortschritt zu verweigern, sich
gar von den damit verbundenen Errungenschaften und Erkenntnissen abzuwenden. Im Gegenteil: In dieser
Anhäufung unendlich vieler Fragmente menschlichen und gesellschaftlichen Für und Wider - von den frühesten
datierten und bezeugten Zeittafeln und Kulturtraditionen bis in die Gegenwart - finden wir
Handlungsprämissen und Antworten auf fundamentale Fragestellungen technologische, ökonomische, kulturelle
und soziologische Besonderheiten. Wirtschaftliche Entwicklungen und Verwerfungen regionaler sowie
überregionalem Charakters, können uns anhand überlieferter Handlungs- und Denkmerkmale, sowie kultureller
Lebenscharakteristika, jederzeit dazu anleiten unaufgefordert humanistisch-ethische Weitsicht zu entfalten.
Wir, die Mitglieder des Vereins Heimatstärke e. V., sind der festen Überzeugung, dass es sich lohnt, sich
mit aller Kraft und Ausdauer dafür einzusetzen, der Geschichte aus dem diffusen Licht des Hörensagens in die
Präsenz von Bedeutung, historischer Deutbarkeit und Klarheit zu verhelfen. Diese Aufmerksamkeit gebührt vor
allem ihren regionalen Details und Besonderheiten.